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Spandauer Volksblatt, -
Montag, 26. Juli 1993 (von Christiane Müller)
Wenn Herrchen Fiffi
aussetzt, greift die SOS-Hundehilfe ein
200 Vierbeiner fanden ein neues Heim
Fünf
Stunden wartete ein junger Riesenschnauzer vergebens in einer Kneipe
auf sein Herrchen. Schließlich riß dem Wirt der Geduldsfaden, und
er wählte die Notrufnummern 491 73 90 und 375 32 52 der
SOS-Hundehilfe e.V. in Spandau. „Der Besitzer des Hundes hatte
behauptet, er wolle nur schnell einkaufen gehen, doch dann ließ er
das Tier im Stich“ erzählte Marina Bittger (30) erste Vorsitzende
des 1989 gegründeten Vereins. Ähnliche Anrufe und schlimmere –
„Holt sofort meinen Köter ab oder ich setze ihn aus“ – gehen
fast täglich bei der SOS-Hundehilfe ein.
Der
namenlose, sehr lebhafte Schnauzer, seit drei Wochen in einer
privaten Pflegestelle untergebracht, ist also kein Einzelfall. Für
mehr als 200 in Not geratene Hunde haben die fünfzehn aktiven
Vereinsmitglieder 1992 ein neues Zuhause gefunden. Bettina Rohde
(35): „Wir müssen uns oft die tollsten Ausreden anhören, weshalb
ein Hund nicht mehr tragbar sein soll.“ Häufig werde eine
angebliche Allergie oder Bissigkeit des Hundes als Grund
vorgeschoben.
Um
den verstoßenen Hunden das Tierheim zu ersparen, suchen die Helfer
nach privaten Pflegestellen. Bittger: „95 Prozent der Leute, die
sich zeitweise um Hunde kümmerten, haben ihn behalten.“
Für
Tari, einen zweijährigen Mini-Windhund, hat die SOS-Hundehilfe
wenigstens ein liebevolles Heim auf Zeit bei Heike Kress gefunden.
„Behalten kann ich Tari aber nicht. Ich habe bereits zwei
Katzen“, bedauert die 23jährige. Der Verein, der sich durch
Spenden finanziert – es gibt rund 150 passive Mitglieder- kann den
Hundepflegern nur die Unkosten für Futter und Leine erstatten. Will
ein Halter seinen Hund partout loswerden, bringt er das Tier zur
SOS-Hundehilfe, und dann geht’s zu einem der vier Tierärzte, mit
denen der Verein zusammenarbeitet. Rohde: „Alle Hunde werden
durchgecheckt und geimpft. Mit dem endgültigen Interessenten, der
eine Schutzgebühr von 230,00 DM zahlt, wird ein Vertrag zum Wohle
des Hundes gemacht. „Viele schaffen sich einen Hund an, ohne sich
vorher genau zu informieren, was damit auf sie zukommt“, bedauert
Bittger. Sie erinnert sich an einen besonders grausamen Fall: „Die
Polizei fand zwei Chihuahua-Welpen in einer Mülltonne. Die Tiere
konnten nicht gerettet werden und starben nach kurzer Zeit.“
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