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BZ – Dienstag, 9. Juli 1996 (von Emielia Holroyd)

Knochen gebrochen, an die Wand geschlagen, Schwanz abgehackt

So grausam werden unsere Tiere gequält

Berlin

Mit Geschwüren am Mund, an den Pfoten und Wunden am ganzen Körper  so elendig mußte Hündin „Maja“ zugrunde gehen. Ihr Besitzer, ein 26jähriger Mann aus Tegel, sah die Ekzeme, unternahm aber nichts.

Als ihm der Anblick seines Hundes zuviel wurde, rief er die SOS-Hundehilfe an: „Können sie meinen Bullterrrier nehmen, ich verliere bald meine Wohnung.“

Mit Entsetzen nahm Ilona Zajc (36) vom Vorstand der Hundehilfe das Tier entgegen: „Es konnte kaum laufen, nur mit Mühe fressen. Der Tierarzt versuchte die Schmerzen zu lindern, aber es half nur noch Einschläfern“

Ilona Zajc hat im Namen des Vereins, dessen 170 Mitglieder sich um ausgesetzte und misshandelte Hunde kümmern, Anzeige gegen den Besitzer erstattet.

Tierquälerei in Berlin – kein Einzelfall, sagt Carola Ruff vom Tierheim Lankwitz. Über 50 Fälle pro Jahr nehmen das Tierheim und die SOS-Hundehilfe entgegen – Tendenz steigend. Einige grausame Beispiele:

Gerichtsvollzieher entdeckt eine Katze mit einem Tumor – offen bis zu den Eingeweiden – in einer Wohnung.

Punker schlägt seinen Schnauzer, der nicht schnell genug über

die Straße folgt, gegen die Wand, bricht ihm die Rippen und zwei Beine.

Unbekannte hängen in Hellersdorf drei Katzen an Wäscheleinen. Sie sind tot, als Passanten sie entdecken.

Einem Schäferhund wird in Spandau der Schwanz abgehackt – er hatte Gläser vom Tisch gewedelt.

„Das Tierschutzgesetz muß verschärft werden.“

Monika Grützmacher von der Aktionsgemeinschaft Tierhilfe (über 300 Mitglieder) fordert eine Verschärfung des Tierschutzgesetzes. „Richter müßten viel öfter Tierverbote aussprechen, und diese müßten regelmäßig kontrolliert werden“, sagt die Tierschützerin, die gerade ein neues Zuhause für sieben verwaiste Katzen sucht.

Laut Gesetz können Tierquäler mit bis zu zwei Jahren Gefängnis und mit Geldbußen bis zu 50.000,00 DM bestraft werden.

Zur Zeit kommen jedoch die meisten glimpflich davon. Carola Ruff: „Ich kann mich nicht an eine Geldstrafe über 500,00 DM erinnern. Und  - nur selten kommt es zur Anzeige.“