Von Tanja Laninger
Schickes Outfit: Dieser Hund durfte auf der gestrigen «Fiffi-Parade»
mit Flieger-Brille Gassi gehen
Katzen würden wir-wissen-schon-was wählen. Und Hunde die Grauen
Panther.. Die setzen sich für mehr Toleranz gegenüber den Vierbeinern
ein. Das hob zumindest Christa Reinauer von «Hundstage» gestern auf der
«Fiffi-Parade» hervor. Der Verein hatte die Demo zwischen Siegessäule
und Wittenbergplatz organisiert - als Protest gegen die «unmenschliche
Hundepolitik» der etablierten Parteien.
Zwei Wochen vor der Wahl macht diese Lobby also tierisch ernst.
Reinauer wettert gegen die rot-grüne Regierung, die ein «Desaster» für
Hundehalter geschaffen habe: So seien die Hundesteuer gestiegen und das
Bußgeld. Ab 1500 Euro kostet ein Verstoß gegen die einschlägigen
Verordnungen, wie Diensthundführer Torsten Schreiber versichert. Er
tritt nebenbei den Beweis für die Toleranz der Berliner Polizei an. Denn
eigentlich könnte das Land Kasse machen: Jede der zwölf reglementierten
Rassen vom Staffordshire bis zum Pitbull ist auf der Demo vertreten,
doch kaum ein Vierbeiner trägt den gehassten Maulkorb oder die grüne
Plakette. Diese zeigt, dass Hund und Halter auf Führungsfähigkeit
geprüft sind. Schreiber: «Würden wir einschreiten, könnte man die
Veranstaltung abblasen.»
Doch die nimmt fröhlich ihren Lauf. An der Siegessäule werben Firmen
für Hundefutter und gleich auch für Katzennahrung mit - man weiß ja nie:
Wo ein Haustier ist, leben vielleicht noch mehr. Eine Hand voll
Organisationen will die guten Seiten von Susi und Strolchi hervorheben.
So Andreas Bahn vom Verein Hunde für Handicaps. Er lässt nichts auf
seinen weißen Schäferhund kommen, der lässig im Schatten liegt und
gelegentlich ausgiebig gähnt. Sein Name: Filou Lord of White Angel.
Rufname: Verbrecher. Der Zehnjährige öffnet dem Rollstuhlfahrer Türen
oder hebt runter gefallene Schlüssel oder Papiere auf.
Überhaupt sind Hunde wohl die besseren Menschen. Sie retten die
Zweibeiner aus Trümmern. Sie beschützen Frauen im dunklen Wald oder
ganze Häuser..
Senioren geben sie neuen Lebenssinn. Und sie tragen schwer an den
Lasten des Menschen. Wie im Fall von Susanne Preuß von den Treptower
Karrenkötern. Die nicht ganz schlanke Dame lässt sich von ihrem
Sennehund über die ganze Demonstrationsstrecke ziehen. «Die Leute
vergessen oft, dass die Tiere solche Kraft haben.»
Doch auch 17 Luxuspüppis sind vertreten: aus Neukölln, aufgemotzt im
Hundesalon Wolter. «Wir haben nur Lebensmittelfarben verwendet», betont
Inhaberin Silke Willumeit und streichelt ihrem rosa Großpudel zärtlich
über den puscheligen Kopf. «Man darf das alles nicht so verbissen
sehen.»
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Mehr als tausend Hundehalter und ihre Vierbeiner trafen sich am
Wochenende zur Ersten Internationalen Fiffi-Parade in der
Bundeshauptstadt. Der Veranstalter "Hundstage e. V." wollte die
positiven Seiten im Zusammenleben zwischen Mensch und Hund hervorkehren.
Von Birgit Loff, Berlin
Ein Hundesalon aus dem Bezirk Neukölln schickte ein gutes Dutzend
aufgebretzelte Pudel ins Rennen. Einer leuchtete in Pink, ein anderer in
Giftgrün. Das Fell war eingefärbt mit jenem Stoff, der sonst etwa zum
Kolorieren von Marzipan Verwendung findet. Manche Hunde trugen
Sonnenbrillen, andere T-Shirts oder sie waren als Clowns, Teufel und
Engelchen kostümiert.
Hundefreunde aus Mallorca brachten internationales Flair. Auf einem
luftballongeschmückten Wagen waren Adam, Eva und die Schlange zu sehen,
ihnen zur Seite ein vierbeiniger Freund. Überschrift: "Mit "nem Hund
wäre die Sch . . . nicht passiert."
Dem schrillen Anschein zum Trotz: Das Anliegen der ersten Love-Parade
für Hunde und ihre Begleiter war durchaus ernst zu nehmen. "Viele
Hundehalter leiden, mehr noch als ihre Tiere, unter den Vorurteilen, die
sich in den letzten Jahren in unserem Land herausgebildet haben",
beklagt sich der Verein Hundstage, eine Berliner Lobby für Hund und
Halter, die zur Fiffi-Parade von der Siegessäule durch die westliche
City aufgerufen hatte.
Schließlich brächten Hunde emotionale Wärme in die Familien,
trösteten Scheidungskinder, schützten allein ausgehende oder joggende
Frauen vor Belästigungen und Häuser und Wohnungen vor Einbrechern.
Es geht gegen den Leinen- und Maulkorbzwang und gegen die als
hundefeindlich empfundene Politik der Regierung generell, die zu einem
"Desaster" geführt habe, wie Christa Reinauer, Sprecherin der
Veranstalter, beklagte. Die Hundesteuer sei gestiegen, und auch das
Bußgeld für Verstöße gegen einschlägige Verordnungen. Während der
Fiffi-Parade allerdings zeigten sich die Polizisten äußerst kulant und
taten, als hielten sie die versammelten leinen- und maulkorbfreien
Kampfhunde für Schoßhunde.
Dezent verwiesen die Hundehalter darauf, auch sie seien Wähler.
Immerhin lebe in jedem fünften deutschen Haushalt mindestens ein Hund.
Gnade fand vor allem die Partei der Grauen Panther, die sich mit eigenem
Wagen am Zug beteiligte, um sich für "die wichtigen Sozial- und
Gesundheitspartner, unter anderem für ältere und kranke Menschen"
einzusetzen. Außerdem marschierten Therapie- und Rettungshunde oder
Hunde für Behinderte mit, die sich etwa bei der Behandlung psychisch
Erkrankter, bei der Bergung verschütteter Erdbebenopfer oder beim Öffnen
von Türen für ihre Besitzer im Rollstuhl verdient machen.
Weil man einen guten Eindruck und sonst nichts hinterlassen wollte,
wurden graue Plastiktüten verteilt - ein im Alltag viel zu sparsam
genutztes Utensil. Leider erzeugen Hunde haufenweise neue Vorurteile,
wenn auf Berlins Straßen trotz Beseitigungspflicht täglich 40 Tonnen Kot
liegen bleiben.
Aktualisiert: 09.09.2002, 06:35 Uhr
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