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Es
war der 5.4.2001, als ein netter Mensch durch unser Wimmern auf meine 2 Brüder,
meine Schwester und mich aufmerksam wurde, unseren Pappkarton an der Mülltonne
fand und bei der Polizei abgab. Es war 23 Uhr, bitter kalt und wir waren
mit unseren schätzungsweise 5 Tagen sehr unterkühlt und apathisch. Angekommen
auf dem Polizeirevier wurden wir sofort in Handtücher gehüllt. Mmmm...
war das schön warm! Doch für meine Schwester und einen meiner Brüder
kam jede Hilfe zu spät, sie waren bereits erfroren! Da
die Polizeibeamten mit uns restlos überfordert waren, was ich durchaus
verstehen kann, denn was fängt man mit zwei meerschweinchengroßen Würmchen
an, die eigentlich besser bei ihrer Hundemama an der Milchzitze saugend
und kuschelnd aufgehoben sind? Ratlos riefen sie bei Kerstin an, die sich
sofort mit ihrem Freund auf den Weg machte, uns abzuholen und dann zu
Petra zu fahren, die bereits Erfahrung mit der Aufzucht von Katzenwelpen
hatte. Als
wir gegen 24 Uhr in meinem neuen Zuhause ankamen, ging es meinem Brüderchen
schon sehr schlecht. Da half auch das Heizkissen, auf das wir von meiner
neuen Pflegemutter gelegt wurden, nicht mehr. So eng ich mich auch an
meinen Bruder kuschelte, er war bereits kalt und roch nach Tod. Die
Stimmung in meinem neuen Heim wurde erklärlicherweise sehr schnell tief
betrübt. Nun war ich ganz alleine! Ich
hatte fürchterlichen Hunger und wimmerte leise vor mich hin. Sofort wärmte
meine Pflegemama ein Fläschchen mit Welpenmilch für mich auf, die der
Polizeibeamte noch netterweise von einem benachbarten Tierarzt organisiert
hatte. Ihr
wisst gar nicht, wie unsagbar gut mir dieses Fläschchen tat. Eine wahre
Wohltat! Nach einem Bäuerchen und einer gekonnt sanften Bauchmassage
schlief ich völlig erschöpft ein. Meine Ziehmama jedoch musste sich
zuerst einmal säubern, da ich sie mit Milch vollgekleckert und dazu noch
vollgepieselt hatte. Da ich fürs Erste versorgt war, konnten Kerstin und
ihr Freund beruhigt nach Hause fahren.
Alle 2 Stunden rund um die Uhr forderte ich lautstark meine Mahlzeit ein. Dann der ständige Blick auf die Uhr, wie viel Zeit bis zur nächsten Raubtierfütterung noch bleibt, um den Alltag zu meistern. Meinen
Pflegepapa traf es wie ein Schlag, als er mich am nächsten Morgen sah,
denn er hatte bereits geschlafen als ich kam. Aber zwischen drei Töchtern,
zwei eigenen Hunden, zwei Pflegehunden, zwei Katzen und zwei
Zwergkaninchen, fiel ich doch nun wirklich nicht mehr auf, oder??? Ach
übrigens, Kerstin habe ich meinen Namen zu verdanken. Sie taufte mich
spontan „Lucky“. Von
nun an machte ich jeden Tag Fortschritte. Nach einigen Tage öffneten sich
meine Augen und nach ca. 3 Wochen konnte ich schon etwas wackelig auf
meinen Beinchen stehen und versuchte die ersten Schritte. Was mir auch schnell zum Verhängnis werden sollte... denn aus lauter Neugier, machte ich mich auf die Pfoten, um mein Umfeld mal etwas genauer zu erkunden und so wollte ich mal schauen, was es im Obergeschoss so alles zu entdecken gibt. Nachdem ich die erste Stufe erklommen hatte, stürzte ich auch schon sehr unsanft bis in den Keller hinab. Mir tat alles tierisch weh und so schrie ich so laut ich konnte um Hilfe. Alle kamen sofort heruntergestürmt (nur meine Pflegemama war ausnahmsweise mal nicht zu Hause), um mich zu trösten. Da mein jämmerliches Wimmern aber nicht nachlassen wollte, war allen sofort klar, dass ich mich verletzt haben musste. Sie brachten mich zum Nottierarzt (es war ja schon 21 Uhr), wo mich auch meine Ziehmama wieder in die Arme schloss. Der Tierarzt diagnostizierte bei mir einen Bruch der Vorderpfote und glaubte außerdem, noch einen Magenriss gesehen zu haben, weshalb er mich in der Nacht in seiner Praxis beobachten wollte. Aber das ließ meine Familie nicht zu und so nahmen sie mich mit nach Hause, um mich dort zu beobachten. So bangte die ganze Familie wieder einmal eine ganze Nacht um mich. Beim
Tierarztbesuch am darauffolgenden Tag konnte er dann Entwarnung geben. Nun
ja, ich hatte ja bereits bewiesen, dass ich ein äußerst zäher Bursche
bin. Und so eine Gipspfote, konnte mir doch nichts anhaben! Da ich Treppen vorerst vermied, erkundete ich den Garten. Ihr glaubt gar nicht, was ich da so alles anstellen konnte. Im Garten mussten mehrere Sträucher und andere Pflanzen dran glauben, da ich ohne Rücksicht auf Verluste mit meinem Gipsbein durch den Garten polterte. Da wurde gekläfft, geknurrt und gebalgt. Drinnen wurde alles angenagt, was mir zwischen die Zähne kam und die armen „Ersatzmuttis“ wurden auf Schritt und Tritt belagert. Mit
ca. 8 Wochen kam der Tag, an dem die ersten Interessenten vorbei
schauten.... Darüber
waren alle sehr betrübt, denn alle weiblichen Familienmitglieder hofften
insgeheim, dass ich bleiben könne. Aber der Hausherr blieb hartnäckig
und meinte, es würden genug Vierbeiner unter seinem Dach wohnen. Ein
trauriger Anlass ermöglichte es mir, für immer zu bleiben. „Moritz“,
der Hausherr unter den Hunden, starb an Herzversagen und weil wir beide
heimlich vereinbart hatten, dass ich sein Nachfolger werden solle, musste
ich mich nun auch daran halten (oder??). Ja
liebe Leute, was soll ich sagen, ich fühl’ mich sauwohl hier und keiner
um mich herum möchte mich mehr missen. Und eine Patentante habe ich auch,
die Kerstin. Eins
nur ist noch nicht ganz geklärt: Mit meinen mittlerweile 5 Monaten weiß
keiner so ganz, was ich mal werden will. Zur Zeit bin ich 59 cm groß. Man
sagt, ich sei vielleicht ein Labrador-Doggen-Mix!? Ein ganzer Kerl eben!
Aber das ist meiner Familie ganz egal, sie haben mich nämlich sooo lieb
und ich sie auch! ...
Schade nur, dass meine Geschwister nicht das Glück hatten, auch so eine
nette Familie kennen zu lernen! |