SOS Hunde-Hilfe e.V.  SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.

                      

Ich erinnere mich noch gut an unser erstes Treffen – als wir uns kennen lernten. Du kamst mir entgegen und ich dachte: „Oh, ist die hässlich“. Du warst so dick. Bestimmt hattest du den Katzen und vielleicht auch den Hunden bei deiner Pflegefamilie das Futter weggefressen, deshalb auch die unförmige Figur. Außerdem bist du frisch kastriert worden und hattest noch einen Verband am Bauch. Dies alles tat meinen Gefühlen keinen Abbruch... Auch an der Leine warst du nervös und furchtbar ängstlich. Der berühmte Funke sprang trotzdem über und ich fing gleich an dich zu lieben!

Zwei Tage später bist du bei mir eingezogen. Du hattest soviel Angst. Die ersten Tage bist du nur zitternd durch dein neues Revier gegangen. Auch zu Hause hattest du Angst und dich vor jedem Besen versteckt. Auch vor männlichen Wesen hattest du Angst. Sicher hattest du diesbezüglich nichts Gutes erfahren! Mir bist du auf Schritt und Tritt gefolgt. Aber wenn ich unter der Dusche stand oder nur meine Haare gewaschen hatte, bist du vor der Tür auf den Korridor geflüchtet, denn Wasser war nicht dein Element.

Ich werde nie vergessen, als wir auf dem Dorf in Urlaub waren und es dort soviel regnete, dass die Wege fast nur noch eine große Pfütze waren. Du bist auf einem kleinen, schmalen, trockenen Stückchen Feldweg gelaufen und mit deiner rechten Hinterpfote in einer Pfütze abgerutscht. Oje – war das ein Drama für dich. Du bliebst immer gleich stehen und musstest dein Hinterpfötchen ausschütteln und mir einen vorwurfsvollen Blick zuwerfen.

Aber an trockenen Tagen war es für dich dort auch immer die helle Freude. Dort konntest du nach Herzenslust über die Felder rennen und auf dem Misthaufen gab es für dich tausend leckere Dinge zu erkunden. Mit Lea, einer großen Hündin, bist du auch öfters dort abgehauen. Mit Spiky, dem kleinen Terrierrüden, hast du angefangen, mit dem Ball zu spielen. Ich habe mich über deine Fortschritte so gefreut...

Zu Hause hattest du dann so viele Verehrer, denn du warst hier auch fast das einzige Mädchen. Nico, den wir anfangs vormittags in Pflege hatten, dann Willy, den du wohl auch sehr mochtest. Wenn ihr beide euch gesehen habt, wurde sofort lautstark erzählt. Falls wir auf der anderen Straßenseite waren, habt ihr beide soviel Trubel veranstaltet, dass wir die Straßenseite wechseln mussten (dann folgte immer eine herzliche Begrüßung zwischen Euch). Und nicht zuletzt Axel, der kleine Dackelrüde, mochte dich. Als Axel so krank war, kaum laufen konnte und zu Hause völlig apathisch war, fing sein Schwänzchen gleich zu wedeln an, wenn er dich auf der Straße sah. Für diesen einen Moment vergaß er sogar seine starken Schmerzen.

Ich durfte aber nicht einmal einen anderen Artgenossen von dir streicheln, da hast du dann immer lautstark Protest erhoben. Mich mochtest du nicht teilen - brauchtest du auch nicht!

Drei Jahre und zwei Monate warst du bei mir. Es war die bisher schönste Zeit in meinem Leben!

Zum Schluss warst du schon relativ mutig geworden und hattest zu Hause keine Angst mehr. Eine Leidenschaft von dir war es, meine Joghurtbecher auszuschlecken. Zum Schluss trautest du dich sogar, mit deinem kleinen Schnäuzchen einen großen Joghurtbecher bis auf den Boden zu erforschen, wo du dann bis zu den Augen verschwunden warst.

Im vorletzten Urlaub, im letzten Herbst, hast du mir mit viel Spaß bei der Gartenarbeit geholfen. Was hattest du Freude daran, die Beete mit umzubuddeln oder durch das zusammengeharkte Laub zu toben.

Im letzten Mai (2001) haben wir unsere erste und leider auch letzte große Reise angetreten. Wir sind ins Wendland gefahren. Die Gegend und die Unterkunft waren so schön. Schnell hattest du deinen Stammplatz im Garten gefunden – natürlich in der Sonne, die du immer so sehr geliebt hast. Dir konnte es nie warm genug sein! Nachdem wir erst fünf Tage dort waren, hat dich dein Jagdtrieb so sehr geleitet, dass du in den Wald hineingerannt bist und auf nichts anderes gehört hast. Dann habe ich dich gefunden... als du angefahren im Straßengraben lagst. Deine Wirbelsäule war durchgebrochen und sicher bist du schon etwas in meinen Armen gestorben. Beim Tierarzt bist du dann erlöst worden!

Ich danke dir für die schönen gemeinsamen Jahre und

du wirst für immer in meinem Herzen bleiben.

Sieben Wochen habe ich unsagbar gelitten und dann habe ich deinen Platz einer schon achtjährigen Hündin namens „Jana“ gegeben, die auch ganz lieb und anhänglich ist. Sie hat auch schon viel durchgemacht. Mit ihr gibt es andere Probleme, aber dies ist wieder eine andere Geschichte. Du wärst sicher damit einverstanden gewesen, dass ich deinen leer gewordenen Platz einer anderen bedürftigen Hündin gab.

Aber eines kann ich versprechen - du wirst immer etwas ganz Besonderes für mich bleiben...

Doris Hein