|
Ich bin Lissy
und das ist meine Geschichte: Am 11.10.1998 erblickte ich in einer kleinen Wohnung in Berlin-Kreuzberg das Licht der Welt. Meine Mama ist ein Mitbringsel aus Spanien und mein Papa soll wohl einfach so daher gekommen sein und hat meine Mama beim Gassi gehen gedeckt. Ich bin also eigentlich ein „Unfall“. Ja, und so lebte ich dort die
ersten Monate mit unserem Frauchen in dieser kleinen Wohnung und für mich
war das am Anfang auch ganz O.K., denn ich hatte ja meine Mama und meine
Geschwister. Wir durften überall hin unsere Geschäftchen machen, konnten
spielen oder schlafen und das tun, was Welpen halt so tun... Aber langsam
wurden wir größer – und unsere Geschäftchen wurden größer und auch
unser Bewegungsdrang. Und mit so vielen Hunden Gassi gehen, hat unser
Frauchen nicht gepackt. So kam der Tag, an dem sie uns irgendwie loswerden
musste. Das erwies sich dann als nicht so einfach. In ihrer Not hat sie bei so einem
Verein angerufen, der Hunden und Leuten mit Hunden hilft, bei der SOS
Hunde-Hilfe. Und kurz darauf kamen dann Leute von diesem Verein und haben
uns Welpen mitgenommen. Plötzlich lernte ich eine völlig neue Welt
kennen... Ich war ja noch nie vorher draußen gewesen! Es war kalt und
alles so fremd und laut da draußen und wo war meine Mama? Dann wurden wir
in so ein Ding mit vier Rädern gesetzt, die Menschen nennen es Auto, und
fuhren einfach davon...da war ich schon ein bisschen traurig. Aber meine
Geschwister waren ja mit dabei. Doch nach ein paar Tagen wurde ich dann
auch von ihnen getrennt und kam zu einem Pflegefrauchen, wie das bei der
SOS Hunde-Hilfe so üblich ist. Zum Glück war ich dort nicht
allein – es gab noch einen Rüden, Bronco. Der hat sich ganz schön als
Papa aufgespielt und ich musste mich gleich erst mal fürchterlich
unterwerfen (aber sonst war er ganz lieb und hat auch viel mit mir
gespielt). Und dann waren da noch zwei komische andere Vierbeiner, die
miauten und hatten scharfe Krallen und als ich mit ihnen spielen wollte,
haben sie das irgendwie falsch verstanden...
Mein Pflegefrauchen fing dann an,
ganz komische Sachen mit mir zu machen, ab da wurde das Leben wohl ernst.
Ich sollte mich auf Kommando hinsetzen oder hinlegen und immer dann
kommen, wenn jemand mich rief. Was sollte der ganze Quatsch? Der Bronco
machte das perfekt. Weil es immer ein Leckerli zur Belohnung gab, habe ich
das Spielchen dann mitgemacht. Aber das Komische war, das ich meine Geschäftchen
nicht mehr drinnen machen durfte. Da wurde immer ein bisschen geschimpft
und dann wurde ich nach draußen getragen und auf die Wiese gesetzt. Natürlich musste ich dann nicht mehr... Mein erster Winter mit meinem Freund Bronco Außerdem
war es Winter und soooo kalt, ich hatte doch nur ein ganz dünnes
Welpenfell! Dann hat mich mein Pflegefrauchen immer unter ihren Mantel
gesteckt und gewärmt – wie meine Mama, und mit der Zeit habe ich mich dann an dieses „Gassi gehen“
gewöhnt.
In der Woche nahm sie mich immer
mit in so einem sehr großen Auto mit zwölf Rädern. Frauchen nannte das
LKW und sagte mir, wir müssen jetzt arbeiten... In diesem Ding lernte ich
eine Menge interessante Orte kennen – wir waren in Spanien, in
Frankreich, Belgien, Holland und in Italien... und überall hat es anders
gerochen. Sogar im Mittelmeer haben wir gebadet. Obwohl ich es liebe zu
schwimmen, war ich sehr erschrocken, weil das Wasser mich angesprungen hat
– ich habe es erst
mal angebellt. Aber mein Frauchen sagte, das wäre
normal, man nennt es „Wellen“ (warum hat der Weiher in Berlin keine
Wellen und warum schmeckt dieses Wasser salzig?) Das Schöne war, dass ich immer mit
meinem Frauchen zusammen sein konnte und wenn sie mal aussteigen musste,
durfte ich auf den LKW aufpassen (andere Hunde haben mir erzählt, dass
sie bis zu 10 Stunden alleine in der Wohnung bleiben müssen –
schrecklich). Nachts haben wir dann immer zusammen gekuschelt. Mein
Frauchen ist unheimlich lieb zu mir und manchmal übertreibt sie es ein
wenig, aber sie meint es ja nur gut und ich hänge sehr an ihr. Sie mag
auch nie irgendwo hingehen, wo Hunde nicht erwünscht sind, überall hin
darf ich mit.
An den Wochenenden sind wir
oft in die Hundeschule
gegangen und ich habe alles gelernt, was eine gut erzogener Hund so können
muss. Außerdem hat mein Frauchen darauf geachtet, dass ich viel mit
anderen Hunden spielen konnte, das machte Spaß! Ein paar Mal waren wir
auch auf Mischlingsausstellungen, zusammen mit dem Bronco und meinem
Ex-Pflegefrauchen. Wir haben dort ganz schön viele Pokale abgeräumt –
mein Frauchen sagt, ich bin ein wunderschöner Hund. Ich glaube, mein Frauchen hat sich
sehr viel Mühe gegeben, mich glücklich zu machen, denn eines Tages hat
sie über die SOS meine Mama und ein paar meiner Geschwister ausfindig
gemacht und dann ein Treffen organisiert. Ach, war das toll! Ich hatte
schon gedacht, ich sehe sie alle nie wieder... Schön zu wissen, dass es
ihnen gut geht! Eine Zeitlang hatten wir dann auch
so einen Pflegehund, einen Welpe, der hieß Brisco und wurde neben Bronco
mein bester Freund. Da war ich ja auch schon erwachsen und konnte ein
bisschen Mutter spielen. Inzwischen hat er eine nette Familie gefunden und
ab und zu treffen wir uns noch. Irgendwann hat sich mein Frauchen
entschlossen, aus Berlin wegzuziehen; es war ja auch nicht mehr so schön
hier wie früher. Viele Leute haben geschimpft, wenn ich ohne Leine
herumgelaufen bin – dabei bin ich doch ganz lieb! Ein Mann hat mich
sogar mal einfach so getreten, ohne Grund, mit den Worten „Scheiß Köter
überall“. Das tat sehr weh und mein Frauchen wurde furchtbar wütend
und hat ihn dann angezeigt, aber am liebsten hätte sie ihn verprügelt
... Wir sind dann in einen kleinen Ort
nach Süddeutschland gezogen. Mein Frauchen verdient hier viel mehr Geld
und wir haben sogar einen eigenen Garten mit Pool!!! Natürlich durfte ich
im Sommer mit ihr darin schwimmen.
Und eine Hundeschule gibt es hier
auch. Ich habe inzwischen schon viele Hundefreunde, mit denen wir uns
regelmäßig treffen. Hier begegnet man im Wald stundenlang keiner
Menschenseele und es gibt keine Leute, die über Hunde meckern. Dafür hängen
hier überall Tütchen, um die Häufchen wegzumachen – sauber! Mein Frauchen hat sich jetzt ein
Mountainbike gekauft, damit sie im Wald mit mir mithalten kann – ich möchte
am liebsten jeden Tag zehn Kilometer rennen, da bringe ich sie ganz schön
aus der Puste, aber da muss sie durch! Bin schließlich ein halber
Windhund... Bald will dann auch der Bronco mit
seinem Frauchen nachkommen und dann wollen wir uns ein Haus und einen
Garten teilen, das wird bestimmt schön!
Jetzt bin ich bereits drei Jahre
alt und hier endet meine Geschichte vorerst. Ich glaube, ich habe es in meinem Hundeleben ganz gut getroffen und mein Frauchen hat mir versprochen, immer für mich zu sorgen und mich niemals wegzugeben – ich will auch nie wieder von ihr weg! Ich habe wirklich Glück gehabt ... dank der SOS Hunde-Hilfe e.V. Viele Grüße von LISSY und ihrem Frauchen MONI |