SOS Hunde-Hilfe e.V.  SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.

                                 

Arme, arme Alexa! Was magst Du schon alles erlebt haben? Was für schlimme Erfahrungen hast Du in Deinem kurzen Leben schon hinter Dir? Wir werden es wohl nie genau erfahren, denn Du kannst ja nicht sprechen. Was Du uns wohl alles erzählen würdest, wenn Du es könntest? Aber Du kannst dich uns dennoch vermitteln. Deine Augen und Dein Körper sprechen eine Sprache, die wir weder überhören noch missverstehen können. ,,Helft mir, ich möchte einfach nur geliebt werden“!

Das sagtest Du uns in aller Deutlichkeit, als wir Dich Ende November 2000 bei uns aufnahmen.

Wir sahen Dich, auf einem abgelegenen Hof, eine Art Tierheim, auf welchem ca. 80 Hunde im Rudel lebten, wo es außer ein paar Holzhütten keinen Unterschlupf auf dem aufgeweichten Lehmboden gab. Eigentlich waren wir dort hingefahren, um höchstens fünf kleine Hunde abzuholen, die wir in Pflegefamilien unterbringen wollten, aber als wir Dich in der äußersten Ecke des Geländes stehen sahen, ein hübsches großes Tier, klapperdürr und so verängstigt dass Du niemanden näher als bis auf 5 Meter herangelassen hast, war für uns klar, dass Du zu einem späteren Zeitpunkt nachkommen würdest.

Und so geschah es auch einige Tage später. Im tiefen Schlaf, da mit Beruhigungsmitteln ruhig gestellt, wurdest Du uns eines Morgens gebracht.

Auf eine Decke gebettet hast Du bis zum folgenden Tag Deinen „Rausch“ ausgeschlafen. Einen Tag später hast Du Deinen Kopf verunsichert gehoben, wenn wir Dich ansprachen, hast vorsichtig mit dem Schwanz gewedelt. Geweckt von der Neugier hast Du Dich sogar schon zögerlich von Deinem Lager im Wohnzimmer fortbewegt. Anfassen ließest Du Dich zunächst nicht, sowie wir Dir zu nah kamen, oder eines unserer anderen Haustiere an Dir Interesse zeigte, suchtest Du sofort knurrend wieder Schutz auf Deiner Decke. Aber Du solltest alle Zeit der Welt haben, um von ganz alleine den Kontakt zu uns zu suchen.

Und richtig, schon einige Zeit später zeigest Du uns Deine Dankbarkeit und Zufriedenheit jeden Tag intensiver. Wir spürten Deine Zuneigung, als würdest Du sie in Worte fassen. Aber das brauchtest Du nicht. Wir verstanden Dich auch so. Du strahltest uns mit Deinen schönen Augen an, wedeltest mit der Rute und schmiegtest Dich zärtlich an uns mit dem leisen Wink, man möge Dich streicheln. Das taten wir gerne.

Nachdem Dein Vertrauen zu uns aufgebaut war, konnten wir damit beginnen Dir zu zeigen dass man auch außerhalb unserer vier Wände keine Angst haben musste. Dazu mussten wir Dich förmlich aus dem Haus auf die Straße schieben, denn nicht mehr nur Deine Decke, sondern unser Haus war mittlerweile zu Deiner Schutzhütte geworden, vor den, für Dich fremden Einflüssen auf der Straße. So hast Du zunächst Dein Geschäft im Haus oder aber im Garten verrichtet, wo es keinen lauten Straßenlärm gab. Vorbeifahrende Autos, jeder raschelnde Ast oder vorbeigehende Passanten auf der Straße versetzten Dich sofort in Panik. Sogar andere Hunde machten Dir Angst.

Stundenlang liefen wir mit Dir durch die Straßen, um Dich dazu zu bringen Dein Geschäft, wie andere Hunde, auf der Straße zu verrichten. Lange Zeit gelang das nicht. Nur im Garten fühltest Du dich sicher und legtest ein Häufchen nach dem anderen immer an exakt den selben Fleck.

In den folgenden Wochen zeigten wir Dir, dass man vorm Autofahren, Treppen-Steigen, vor belebten Straßen mit vielen Autos und vor allem Menschen keine Angst haben musste. Langsam gewöhntest Du Dich auch daran, solange man mit Dir immer wieder die gleichen Orte aufsuchte. Sobald wir jedoch in einer, für Dich, fremden Umgebung waren, bist Du uns nicht von den Fersen gewichen und liefst mit eingeklemmten Schwanz neben uns her, ohne Dich einmal umzugucken oder gar hinzusetzen und dein Geschäft zu verrichten. Ähnlich war es, wenn wir Besuch bekamen. Zuerst suchtest Du die Flucht und hast vor lauter Angst unter Dich gemacht. Einige Zeit später brachten Dich Besucher dann nicht mehr aus der Fassung. Und von einem Tag auf den anderen wurdest Du auch stubenrein.

Dann kam der Tag an dem sich Interessenten für Dich meldeten. Ein sehr nettes Pärchen, welches im Berliner Umland in ruhiger Lage wohnte. Sie waren auf der Suche nach einem zweiten Hund, da ihrer nach schwerer Krankheit eingeschläfert werden musste. Sie hatten Dein Bild im Internet gesehen und waren sofort in Dich verliebt. In einem Gespräch am Telefon erzählten wir ihnen Deine Geschichte und vereinbarten einen Besuchstermin. Die Leute waren sehr verständnisvoll und zeigten viel Einfühlungsvermögen. Auch der noch vorhandene Rüde war sofort verliebt in Dich. Wir vereinbarten weitere Besuchstermine, da Dir Deine neuen Besitzer die Möglichkeit geben wollten, sie in Ruhe kennen zu lernen, bevor Du endgültig bei ihnen einziehen solltest. Einmal fuhren wir auch zu ihnen hin, damit Du Dir Dein neues Zuhause schon mal anschauen konntest.

Wir machten ein ausgedehnten Spaziergang durch den Wald, der sich direkt an das Grundstück von Deinem zukünftigen Zuhause anschließt.

Seit dem Tag als die Interessenten bei uns gewesen waren und wir wussten, dass Du uns bald verlassen würdest, wurden wir immer trauriger und hofften immer noch, dass die Interessenten noch abspringen würden. Wir kannten es ja von vorherigen Pflegehunden, dass man irgendwann Abschied nehmen muss, aber bei Dir fiel es uns ganz besonders schwer. Wir haben soviel Zeit und Liebe in Dich investiert und Dir beigebracht, was es heißt ein Hund zu sein und nun solltest Du uns für immer verlassen?

An dem Tag, als wir Dich an das nette Pärchen übereigneten, haben wir viele Tränen vergossen, obwohl uns klar war, dass Du es nirgendwo besser haben konntest.

Deine neuen Besitzer haben uns jetzt schon des öfteren angerufen und uns berichtet, wie toll Du Dich eingelebt hast und das sie keinerlei Probleme mit Dir haben, was uns alle sehr freut, denn wir hatten befürchtet, dass Du bei einem Besitzerwechsel wieder einen Rückfall erleiden würdest und ganz von vorne beginnen müsstest. Aber weit gefehlt! Daran sieht man, dass sich alle unsere Bemühungen sehr wohl gelohnt haben und nicht umsonst waren, wie einige andere am Anfang glaubten.

Auf diesem Wege wollen wir anderen Hundehaltern Mut machen. Nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, auch wenn die Aussichten zunächst noch so schlecht aussehen. 

Es lohnt sich, wie man an Alexa gesehen hat !!!!!