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„Gib mir mehr davon“ Da
die Erinnerung noch ganz frisch, der Gerüche von Desinfektion und Fäkalien
gleichermaßen die Nase beleidigen, ist es der beste Zeitpunkt, um
Erlebnisse wiederzugeben. Anfang
Januar 2000, wir hatten gerade die vier Welpen einer Pflegehündin
erfolgreich aufgezogen und vermittelt, wurden wir gefragt ob wir eine
hochträchtige Hündin aufnehmen würden. Natürlich wollten wir, welche
Frage! Und
wir bekamen Schnecke, eine liebenswerte und kugelrunde Settermix-Dame. Von
Wesen und Gemüt war sie der krasse Gegensatz zu unseren bisherigen
Pflegehunden, wir waren angenehm überrascht. Doch ein kleiner Schelm
steckt in jedem Hund, unsere Schnecke zerstörte jede Hundeleine, die sie
bekommen konnte. Sollte man durch dieses Verhalten auf
Erlebnisse vergangener Tage schließen? Ich glaube wir haben durch
unsere Pflegehunde sehr viel gelernt und können den wahrscheinlichen
Gedankengang unseres Schützlings nachvollziehen und verstehen. An
ihrem zweiten Abend bei uns, Schnecke hatte sich vorm Fernseher gerade
einen Platz neben mir auf der Couch gesichert, geschah, womit wir schon
gerechnet und worauf wir gewartet hatten. Eine Geburt und ihr Verlauf ist
von Berufs wegen für mich nichts Neues mehr. Doch meistens, zumindest bei
uns Menschenkindern, weiß man um die Anzahl der Nachkommenschaft, anders
bei Schnecke, deren normale Körpermaße uns bis dato unbekannt waren. Zehnter
Januar 2000 ca. 20 Uhr: „Da
hängt ja was raus“ stellte meine Frau erstaunt fest. Ist ja, wenn eine
Hündin Ihre Welpen bekommt, nichts Ungewöhnliches dachte ich und spürte
ein wunderbares Hochgefühl der Freude, Spannung und Aufregung in mir, es
ist mit Worten nicht wiederzugeben. Platsch - da war der erste Welpe auch
schon da, so schnell konnten wir gar nicht reagieren. Flugs brachten wir
Schnecke in die Küche, wo eine Ecke mit Teppich eigens für ihren großen
Auftritt vorbereitet war. Wir versuchten, Schnecke den Neuankömmling ans
Gesäuge zu legen, um ihr zu zeigen, worum es in den nächsten Wochen
geht. Schnecke war sehr erstaunt, dass sich das ca. 200g schwere Bündel,
das sie hervorbrachte, bewegte und genüsslich an einer ihrer Zitzen zu
saugen begann, doch der Instinkt ihrer Natur hat sie hervorragend darauf
vorbereitet - sie war jetzt bereit, Mutter zu werden und zu erdulden. Einer
der nächsten Welpen schaffte es nicht, sich aus der Fruchtblase zu
befreien, so dass wir nachhelfen mussten, sonst wäre er erstickt. Auch
diese Art der Geburtshilfe übernahm Schnecke anschließend selbst.
Zwischendurch, die Welpen kamen im Abstand von 30 Minuten, hatten wir
Zeit, über die vermutliche Anzahl zu spekulieren, jedoch war ein derart
hohes Gebot nicht abgegeben worden. Wir telefonierten mit einigen
Mitgliedern, um die erwartete Neuigkeit kund zu tun. Was nun folgte, war
ein interplanetares Bombardement von Anrufen und SMS. „Glückwunsch“,
„wie viele?“, „gib mir mehr“ und später dann „jetzt reicht´s“
waren nur einige der unzähligen Nachrichten, die uns erreichten, und wir
wußten, wir sind nicht allein. Zwölf Welpen hat sie geworfen - eine
tolle Leistung, Schnecke! Die nächsten vierzehn Tage waren sehr aufregend
und arbeitsintensiv. Dreimal täglich wiegen und Fläschchen geben kosten
Zeit und Nerven und macht doch Spaß. Aber
zwölf Welpen bedeuteten auch die Suche nach zwölf mal einem guten
Zuhause. Ilona rief die BZ an und verursachte damit einen ungeahnten
Presserummel um Schnecke und ihre Welpen. Drei Zeitungsartikel, drei
Fernsehauftritte und eine schöne Summe an Spenden waren das Resultat.
Weiterhin meldeten sich viele Bewerber für unsere Großfamilie, ich
glaube dies ist ein Ergebnis, zu dem wir uns alle gratulieren dürfen.
Alle haben sich prächtig entwickelt, gefressen wurde brav aus dem Napf und getobt wurde im Garten. Nur ihre Notdurft verrichteten sie dort, wo es gerade passte. Dies war der Part der Verzweiflung. Das kleine Nebengelass, das wir hergerichtet haben, bot nicht genug Platz für so eine Anzahl von Hunden. Und nachdem Brüderchen sich genüßlich in Schwesterchens Exkrementen suhlte, mußten wir großes Hundebaden ansetzen (Dank an dieser Stelle unseren fleißigen Waschweibern Tanja und Virginia). Schnecke
und ihre 12 Babys haben jetzt alle ein schönes Zuhause gefunden. Der
Abschied war keine leichte Sache für uns, aber für das Glück unserer
Lieben sicher das Beste. Na dann, alles Gute. Auch möchte ich die Gelegenheit nutzen, all jenen Mitgliedern der SOS zu danken, die uns mit Rat, Tat und Freundschaft unterstützten. Jens und Eva Künzel |