ANGEL
- Sechs Quadratmeter auf Leben und Tod
Ich habe dich gesehen,
Angel,
Dich und Deine Freunde
Ich sah Dich in Deiner Todeszelle,
eingemauert in Kälte und Angst,
dem rasenden Schrei
der Verzweiflung
preisgegeben
dem angstheiseren Bellen ums Überleben.
Vergebliches Flehen der Unschuldigen
verzweifelt an den Gittern entlang,
die Kachelwände hoch und runter.
Schreie, die niemals nach außen dringen,
die ihr Ziel nie erreichen
Aber Du Angel, bist zum Klagen zu schwach.
Ungehört verhallte Dein Rufen,
prallte ab am steinkalten Weiß der Erbarmungslosigkeit.
Ich sah Dich liegen in der Ecke deiner sechs Quadratmeter,
auf Leben und Tod, umgeben von Kot und Urin,
zusammengerollt zum Sterben,
den erloschenen Blick ins Leere gerichtet
Sie haben Dich Deinem Menschen weggenommen
mitten aus dem Leben,
mit eiserner Schlinge weggezerrt.
Da ist irgendwas schiefgelaufen.
Dein fragender Blick kam zu spät
Sie behaupten, daß DU die Bestie bist,
hassen Dich um Deiner Rasse willen
statt sich selbst in die Augen zu blicken.
Denn die wahren Bestien lauern da draußen
hinter den sauberen Fassaden der Bürgerhäuser
im eigenen Spiegelbild
Und morgen werden sie Euch holen, Angel,
weil sie Platz brauchen für die anderen,
die noch kommen müssen
und die im kalten Kachelraum
wahnsinnig werden vom Gebrüll ihrer eigenen Angst
und die sterben müssen
nach dieser bestialischen Hatz auf Leben und Tod.
Ausmerzen wollen sie Euch, die gebügelten Saubermänner,
besessen entschlossen hinter polierten Glasfassaden
mit in Unschuld gewaschenen Händen
Auch Dich, Angel...
Ursula Sack, Hund und Gesellschaft e.V.
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