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Vom
Umtausch ausgeschlossen
Story eines
Labradors
Es
war Mai 99, als ich von meiner Mama getrennt wurde. Ich war gerade 8
Wochen alt, als eine Teenagerin mit Ihrem Freund zu dem Zwinger kam,
in dem ich bis dahin gelebt hatte. Die Frau, die uns immer fütterte
(ich glaube, man nennt sie Züchterin), hat mich an dieses Mädchen
verkauft. Ich glaubte zunächst, es besonders gut getroffen zu
haben, weil mich dieses Mädchen wohl sehr lieb haben mußte! Sie
hat der Frau 1600,- DM gegeben, nur dafür, daß sie mich mitnehmen
durfte (viel Geld für so wenig Hund, finde ich). Nun ja, schließlich
war ich ja auch ein ganz besonderer Hund, ein reinrassiger Labrador
mit einem schokofarbenen Fell (ich bin nach Typ und Outfit sozusagen
der Daimler in Metallic-Lackierung unter den Hunden, und der hat
schließlich seinen Preis!).
Als
ich in meinem neuen Zuhause ankam, roch alles ganz fremd, und ich
setzte natürlich erst mal reichlich Marken und fand es auch ganz
normal in dieser tollen neuen Umgebung auch etwas Platz in meinem
Darm zu schaffen. Schließlich sollten ja die vielen Leckerbissen,
die man mir ständig anbot, auch noch verdaut werden! Trotz meines
tollen Einstandes merkte ich bald, daß mein neues Frauchen etwas
bedrückte. Sie schimpfte immer vor sich hin, wenn sie mir meine
Markierungen mit ihrem Scheuerlappen kaputt machte und meine kleinen
Durchfälle beseitigte (komisch, warum macht die das?). Na ja, wenn
sie damit fertig war, dann habe ich nach guter alter Welpenart
einfach für reichlich Nachschub gesorgt.
Die
Stimmung in meinem neuen Heim wurde unerklärlicherweise sehr
schnell immer schlechter und erreichte ihren Tiefpunkt, als Frau S.,
die Mutter meines Frauchens, nach Hause kam. Die schien gar nicht
gewußt zu haben, daß ich, ein neues Familienmitglied, nun bei ihr
wohnen sollte. Mann, war das ein Theater!!! Wutschnaubend rief die
Alte bei meiner Züchterin an und wollte mich doch glatt zurückgeben,
nur weil ich, wie sie sagte, noch nicht stubenrein sei!!! Die lehnte
natürlich ab und fand, daß ich mich ganz normal verhalten hätte
(ich war mir ja auch keiner Schuld bewußt!). Schließlich hat die Züchterin
der Frau S. noch die Adresse eines neuen Frauchens gegeben, wo die
dann auch angerufen haben, um mich für 1700,- DM weiterzuverkaufen
(sie hatten mich offensichtlich noch mehr lieb gewonnen, denn ich
war jetzt schon 100,- DM teurer geworden!). Aus dem Verkauf wurde
aber nichts; die konnten sich wohl keinen so edlen Gesellen wie mich
leisten.
Dann
haben meine Leute ewig das Telefonbuch gewälzt und schließlich die
Nummer der SOS Hunde-Hilfe angerufen. Bei denen haben sie mich
verpetzt und wollten, daß man ihnen hilft, mich der Züchterin zurückzugeben.
Wir sind dann bei der Bullenhitze an diesem Tag losgefahren und
haben uns bei meinem alten Zuhause getroffen. Da standen wir nun,
mein neues Frauchen, der dicke Mann von der SOS-Hundehilfe mit
seiner Tochter und ich. Aber in meiner Ex-Wohnung machte keiner auf,
mir war heiß, und zu saufen hatte ich auch nichts. Da hab‘ ich
mich einfach hingeschmissen und herzzerreißend gehechelt, so lange
bis die mir aus einem nahegelegenen Schrebergarten erst mal ein Schälchen
Wasser besorgt haben. Das habe ich mit meiner Pfote sofort umgekippt
und mich dann in der Pfütze gebadet! Juchhuuu!!! Ich glaube, die
Leute waren dann ziemlich satt und fuhren deshalb alle wieder nach
Hause.
Irgendwie
ging das mit meiner Familie aber nicht gut, und deshalb holte mich
der Dicke von der SOS dann nach ein paar Tagen bei ihr ab (wir haben
uns auf der Hälfte der Strecke getroffen, und trotzdem mußte ich
beim Auto fahren schon kotzen). Die Hunde-Hilfe sollte mich für 2
Wochen in Pflege nehmen. Beim Abschied wurde ewig verhandelt, weil
der Dicke der Frau S. den Kaufpreis für mich nicht erstatten wollte
und sogar noch Geld für meine Unterbringung (15,- DM pro Tag und
das 14 Tage im voraus) haben wollte. Während dieser Zeit wollte
Frau S. einen neuen Besitzer für mich suchen. Würde sie mich aber
nach 2 Wochen nicht abholen, sollte ich dem Dicken (der mich
offensichtlich ganz gut leiden konnte) gehören!
Ich
wurde vorübergehend in einer Pflegestelle untergebracht und dann
aber doch von Frau S. wieder abgeholt. Es schien, als ob sie sich über
meine neuerliche Heimkehr jetzt sehr freute, denn sie bezahlte nun
noch mal eine ziemliche Rechnung (ich hatte zwischenzeitlich noch
etliches an Arztkosten und Kosten für Teppichreinigung usw.
verursacht). Fast 200,- DM war ich ihr nochmal wert (das machte mir
Mut!), und dann ging‘s ab zu ihr nach Hause, wo ich sogleich
wieder meine beliebten Hinterlassenschaften plazierte! Der Freund
ihrer Tochter hat mich mit zur Arbeit genommen, in eine Pizzeria (mmh!),
wo ich aber den ganzen Tag vor der Tür sitzen mußte (das war
doooof).
Schon
ein paar Tage später, als wir nach der Arbeit wieder zu Hause
ankamen, war der Pizzabäcker dann so entnervt (wohl wegen mir?), daß
er wieder SOS gefunkt hat. Die haben den Funkspruch aufgefangen und
mich „angefordert“. Natürlich haben die noch eine
Transferpauschale für die in der Zwischenzeit überfällige Impfung
abkassiert (damit hatte mein Herrchen gar nicht gerechnet und mußte
erstmal noch zur Bank). Auf diese Weise mutierte ich vom Daimler zum
Rolls Royce.
Bei
dem Dicken ging es mir dann lange Zeit (bis Oktober 99) richtig gut.
Dort hatte ich sogar noch reichlich Hundegesellschaft und verliebte
mich in Daisy. Wir probierten auch gleich für weitere nette
Kumpels, wie ich einer war, zu sorgen. Das haben die mir von der SOS
aber vermasselt und mich einfach kastriert (war aber nicht so
schlimm! Tat gar nicht weh!).
Seit
dem 25.10.99 bin ich nun in meinem (hoffentlich) endgültigen
Zuhause! Die haben mich bisher wirklich lieb und versorgen mich gut,
deshalb ärgere ich sie auch nicht mit Markierungen und so; die
hatte der Dicke auch immer wegmachen müssen und trotzdem nur
manchmal dabei gemeckert. So sind die eben von der SOS, bei denen
kann man‘s aushalten!!
Thomas Kumbier
Info 06/93
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