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Fortsetzung aus 1998/1999: Die beiden Ausländer
"LUCKY" und "JERRY"
Kosenamen: Schummel-Prinz, Schummelchen, Brummbärchen
geb.
ca. Dezember 1995
Größe: 46 cm
Gewicht: 12 kg
Rasse: Typ Border Collie
In dieser Ausgabe möchte ich nun erzählen, wie
ich zu meinem zweiten Hund JERRY gekommen bin.
Wer kennt sie nicht, die vielen armen herrenlosen
Tiere in Süd- und Osteuropa. Im Urlaub in Spanien, Griechenland,
... begegnet man ihnen an jeder Straßenecke. Die Hunde und Katzen
sind meistens krank, teilweise bis auf die Knochen abgemagert und
werden auch oft noch von den einheimischen Menschen geschlagen, gequält,
vergiftet, vergast, erhängt, ertränkt, überfahren usw., usw. Die
Menschen denken sich leider immer grausamere Tötungsmethoden für
die armen Kreaturen aus. Viele müssen ihr ganzes Leben an einer
kurzen Kette verbringen, um sich als eine Art Wachhund (der an der
Kette sowieso nichts gegen Einbrecher verrichten kann) die Kehle aus
dem Leib zu kläffen.
(Leider
ist dieser tierquälerische Unsinn auch oft noch in Deutschland bei
Menschen, die überwiegend auf dem Land leben, anzutreffen.)
Als Schutz gegen Kälte, Sonne und Regen dient
ihnen - "wenn sie Glück haben" - nur eine alte verrostete
Blechtonne mit scharfen Kanten. Hunde und Katzen werden in diesen Ländern
meist nur als eine Art "Parasit" angesehen. Da sie sich
unkontrolliert vermehren, hat der Kreislauf des Elends wohl nie ein
Ende.
(Ich
möchte hier anmerken, daß es auch in Deutschland genügend
Menschen gibt, die ihre Tiere nicht artgerecht halten und diese
teilweise körperlich und seelisch schwer mißhandeln, nur sieht man
bei uns eben nicht haufenweise herrenlose Tiere auf den Straßen
herumlaufen.)
Da ich aus diesen Gründen meinen (Erholungs-)Urlaub
in solchen Ländern nicht mehr verbringe, mir aber der Tierschutz
dort sehr am Herzen liegt, hatte ich mich entschlossen, eine Woche
meines Urlaubs in einem dortigen Tierheim zu verbringen, um selber
mal mit anzupacken, und nicht nur wie sonst, mit Geldspenden zu
helfen.
Da Sabine den gleichen Gedanken hatte, schlossen
wir uns zusammen und entschieden uns am Anfang für den
Tierschutzverein "Arche Noah Teneriffa", weil ich bei
diesem Verein Mitglied bin und dort immer dringend Helfer benötigt
werden.
Weil wir beide bedauerlicherweise unter einer
Katzenhaarallergie leiden, mußten wir uns dann doch für ein
anderes Tierheim entscheiden, da man in der Nähe des Tierheims in
Teneriffa nicht die Möglichkeit hatte, in einer Pension zu wohnen,
sondern in der Finca des Tierheims hätte übernachten müssen. An
sich ist dies auch sehr gut und praktisch, leider sind aber in allen
Zimmern meistens auch einige Katzen, die einer besonderen Pflege bedürfen,
untergebracht. Somit hatte sich Teneriffa erledigt.
Da es einige Tierschutzorganisationen im Ausland
gibt, fiel unsere nächste Wahl auf das Tierheim auf der Insel
Kreta/Griechenland. Dort sind, wie wir aus Berichten wußten, überwiegend
Hunde untergebracht. Außerdem konnten wir in der "Nähe"
des Tierheims in einer kleinen Ferienwohnung übernachten.
Sabine als "Reiseverkehrskauffrau" hatte
alle Reiseformalitäten schnell erledigt und somit starteten wir am
23. September 1996 - bepackt mit einigen Hilfsgütern, in Form von
Medikamenten und Futter etc. -
gespendet vom Tierheim Lankwitz und von uns -
Richtung Kreta. Am Flughafen in Heraklion angekommen, mußten
wir eine ganze Weile warten, bis wir von Frau W. abgeholt wurden.
Frau W., eine ehemalige deutsche Krankenschwester, hat das Tierheim
in Chania aufgebaut und leitet es auch. Die Fahrt mit ihrem Auto
(wenn man ihr Gefährt überhaupt noch Auto nennen kann) nach Chania
war alleine schon etwas außergewöhnlich. Unterwegs im Dunkeln
sammelten wir ganz so nebenbei drei herrenlose Hunde von der Straße
auf (einen ca. 5 Wochen alten Pudelmix-Welpen, eine halbwüchsige
Schäfermix-Hündin und eine junge Colliemix-Hündin, die mir
ausgesprochen gut gefiel). Da wir
eine größere Strecke zurücklegen mußten, erreichten
wir erst in der Nacht unsere Pension. Für Frau W.
war dies ein "ganz normaler Tag"! Sie schlief mit
der Colliemix-Hündin im Auto und wir nahmen für eine Nacht die
beiden anderen Hunde mit in unsere nette Behausung. An einen
erholsamen Schlaf war allerdings nicht zu denken, denn die kleine
Welpendame, die wir Pudel-Suse nannten, tyrannisierte uns die ganze
Nacht, wie das Hundebabies nun manchmal so an sich haben. Am nächsten
Morgen, als wir, immer noch todmüde, aufstehen mußten, schlummerte
die Kleine friedlich in ihrem Körbchen. Nach Säuberung des Fußbodens
- zum Glück waren es Fliesen - von Pipi und großem Welpengeschäft
fuhren wir mit Frau W. zum Tierheim. Auf der Fahrt erzählte sie
uns, daß morgens immer erst gemütlich in der Küche gefrühstückt
und der Tagesablauf besprochen wird.
Das Tierheim beherbergte z. Z. ca. 400 Hunde und
ca. 100 Katzen. Die Hunde, die das Glück hatten draußen zu leben,
waren in geräumigen, eingezäunten Gehegen untergebracht. Schlimm
war es für die vielen Hunde und Katzen, die Tag und Nacht im Haus
leben mußten. Da sie zwangsläufig auch dort auf Zeitungspapier
ihre großen und kleinen Geschäfte verrichten mußten, sah es trotz
täglicher Reinigung dementsprechend aus und roch sehr unangenehm -
bestimmt auch für die Tiere -. In allen Zimmern im Haus herrschte
vollkommenes Chaos, so auch in der Küche; Hunde und Katzen wohin
man sah. Mehr als eine Tasse Tee und ein kleines Stück trockenes
Weißbrot bekamen wir nicht hinunter.
Ich möchte noch betonen, daß Sabine und ich
wirklich nicht etepetete sind, aber in einer vollurinierten und
vollgekackten Küche mit haufenweise Tieren, die auch auf den
Lebensmitteln lagen, verging uns der Appetit auf ein "gemütliches
Frühstück". In der sogenannten Küche und dem ehemaligen
Wohnzimmer waren die kleineren Hunde untergebracht. Unter ihnen war
auch mein damals noch namenloser "JERRY".
Zu dem Tierheim selber möchte ich in dieser
Geschichte nicht mehr allzu ausführlich etwas berichten, da dort
vieles im Argen liegt. Natürlich fehlt es an allen Ecken und Enden
am nötigen Geld, aber auch ohne dieses Geld könnte man das Leben
der Tiere ein wenig angenehmer gestalten. Aus einer Anzahl von guten
Gründen haben sich deshalb in der Vergangenheit schon einige größere
Tierschutzorganisationen von diesem Projekt zurückgezogen.
Nach zwei Tagen hatten wir uns ein wenig an das
Chaos und den Dreck gewöhnt und uns vorgenommen, das Beste aus der
Situation zu machen und so viel wie möglich für die Tiere zu tun
(kranke Augen, Ohren und Wunden behandeln, Futter zubereiten, Hunde
und Katzen baden, bürsten etc.).
An einem dieser Tage standen wir in der Küche und
vor uns waren zwei große Plastiktonnen mit Schweinenieren
aufgestellt, die Frau W. von einem Schlachter organisiert hatte.
Diese vielen Nierchen mußten nun gesäubert und zerkleinert werden,
um sie dann für die Tiere zu kochen. Sabine verabschiedete sich
nach einer Viertelstunde von dieser "sehr leckeren
Aufgabe" und ging außerhalb des Hauses anderen Tätigkeiten
nach. Da ich "leider" kein Vegetarier wie Sabine bin,
machte mir die Nierchen-Aktion nicht so viel aus und ich schnipselte
fleißig weiter. Um mich herum war wie immer alles voller Hunde und
Katzen, die schon nach ihrem Futter Ausschau hielten. Bei dieser Tätigkeit
kam mir dann auch der Gedanke, wie es wäre, wenn ich mir einen
Zweithund zulegen würde. Ich hatte zwar zu Hause in Berlin ab und
zu daran gedacht, ob es für LUCKY nicht ganz nett wäre, wenn sie
einen Partner hätte, aber geplant hatte ich es eigentlich nicht,
mir in nächster Zeit noch einen weiteren Hausgenossen anzuschaffen.
In mitten dieses Elends und hunderter traurig dreinblickender
Hundeaugen trat dieser Gedanke auf einmal ganz nahe an mich heran.
Selbst Sabine, die schon
zwei Hunde besaß, fing an zu überlegen. Man mußte ja schließlich
auch an die Daheimgebliebenen denken. Bei Sabine war es ihr Mann und
bei mir meine Eltern, die tagsüber Hundesitter spielen. Kann man
ihnen noch einen Hund zumuten, wird sich der "alte" mit
dem "neuen" Hund vertragen? Viele Fragen gingen uns abends
im Bett durch den Kopf. Nach ein paar Tagen war mir dann alles egal
und ich warf sämtliche Überlegungen über den Haufen - für mich
stand fest, alle Hunde kann ich leider nicht retten, aber wenigstens
einem der armen Kreaturen kann ich ein besseres Leben ermöglichen.
Nun stellte sich die Frage, welcher der ca. 400 Hunde zieht
das große Los und darf mit nach Deutschland. Im geheimen hatte ich
mir schon die bildschöne junge Colliemix-Hündin ausgesucht, die
wir bei unserer Ankunft von der Straße aufgegabelt hatten. Da sie
wahrscheinlich gerade das erste Mal läufig gewesen sein mußte,
weil die Rüden noch wie verrückt hinter ihr her waren, vermuteten
wir, daß sie evtl. gedeckt worden ist. Einen zweiten Hund und dann
vielleicht nach ein paar Wochen auch noch Welpen, daß konnte ich
meinen Eltern nun doch nicht zumuten.
Außerdem hatte ich wegen LUCKY Bedenken, die eine
sehr dominante Hündin ist. Sie wäre mit einer Nebenbuhlerin
bestimmt nicht ganz so einverstanden gewesen. Da ich kein Risiko
eingehen wollte, nahm ich schweren Herzens Abschied von dem
Gedanken, diese Hündin mitzunehmen. Ein Rüde wäre wohl doch
geeigneter für LUCKY. Die Suche ging also weiter.
Da ich ein großer Collie-Fan bin (in Griechenland
sind leider z. Z. Collies groß in Mode) und auch mein Vater ganz
besonders Border Collies mag, fiel mein Blick auf einen ca. 8 Monate
alten schwarz-weißen Rüden, der unter den "Küchenhunden"
lebte. Ich beobachtete ihn des öfteren, wie er stundenlang vor dem
kleinen geöffneten Fenster lag und nach draußen starrte. Für ihn
mußte es auch fürchterlich gewesen sein, den ganzen Tag in einem
warmen, muffigen, mit Kot verschmierten Zimmer zu leben und nie nach
draußen zu dürfen, um wenigstens dort seine Geschäfte zu
erledigen. Als ich mir den kleinen traurigen, recht mageren Kerl
genauer anschaute stellte ich fest, daß sein rechts Hinterbein völlig
schief war. Er muß in frühester Kindheit einen schlimmen Unfall
gehabt haben oder in eine Falle geraten sein. Die gebrochenen
Knochen und das untere defekte Gelenk waren krumm zusammengewachsen.
Außerdem fehlten ihm einige Ballen an der Pfote. Als ich dies
feststellte, tat er mir noch mehr leid und ich entschied mich für
ihn. Nach kurzer Überlegungszeit
hatte ich auch einen Namen für ihn - JERRY sollte er heißen.
Da ich soviel wie möglich über seine Herkunft
wissen wollte, fragte ich Frau W., wo sie ihn gefunden hatte. Sie
erzählte mir, daß sie ihn erst vor ca. zwei, drei Wochen von der
Straße aufgelesen habe. Er war in der Nähe eines Hotels an einem
Baum angebunden gewesen. Als sie am nächsten Tag wieder dort vorbei
kam und er immer noch dort war, nahm sie ihn mit.
Die eine Woche verging wie im Fluge und wir hatten
eine Menge erlebt. Geplant war, daß wir bei unserem Rückflug vier
Hunde mitnehmen würden. Mehr war laut Fluggesellschaft nicht
gestattet. Ein Tierheim in West-Deutschland hatte sich erneut bereit
erklärt, welche aufzunehmen und zu vermitteln. Zwei Welpen wollten
wir in den Passagierraum mitnehmen und zwei größere Hunde sollten
in einen speziellen Raum im unteren Teil des Flugzeuges
untergebracht werden. Keine Angst jetzt - dieser Raum ist
beleuchtet, belüftet und beheizt, da die Tiere den Transport im
Laderaum sonst wohl kaum überleben würden.
Einer von diesen Hunden war ja nun mein JERRY. Die
Auswahl der Welpen fiel nicht so schwer - Pudel-Suse unter ihnen -.
Aber wer sollte der Vierte im Bunde sein. Nach langen Überlegungen
entschieden wir uns für ERMIÉ, einen jungen Jagdhundmischling, den
Sabine und ich in unserer Woche besonders betreut hatten, da dieser
vor einiger Zeit von den anderen Hunden fürchterlich zugerichtet
worden war. Seine Haut war noch überseht mit kahlen Stellen. Er sah
überhaupt sehr mitleiderregend aus - "wie ein häßliches
Entlein" - aber sehr zutraulich, schüchtern und lieb.
Am 30. September, ein paar Stunden vor unserem
Abflug, rief das Tierheim, welches die Hunde aufnehmen wollte an,
und teilte Frau W. mit, daß sie die drei Hunde doch nicht nehmen können.
Da Frau W. für die Tiere schon alle Ausreisegenehmigungen besorgt
hatte, versuchte sie auf die Schnelle ein anderes Tierheim zu
finden. Nach einigen Telefonaten entschloß sich dann unser Tierheim
in Lankwitz, die Hunde zu übernehmen.
Die Hunde bekamen für die Fahrt von Chania nach
Heraklion und für den Flug nach Berlin ein Beruhigungsmittel, somit
schlummerten sie vor sich hin. Am Flughafen verlief alles
reibungslos und auch der Flug war o.k.
Am späten Abend landeten wir dann in Berlin-Schönefeld
mit unserer "kostbaren Fracht".
Sabines Mann Detlef und mein Bruder Martin holten
uns ab. Zwei Mitarbeiter des Tierheims Lankwitz standen auch schon
bereit. Jetzt kam die Stunde des Abschieds. Sabine war totunglücklich,
daß sie "ERMIÉCHEN" hergeben mußte, aber drei Hunde
waren wirklich ein bißchen zu viel für zwei voll berufstätige
Menschen. Mein Bruder äußerte auch so seine Bedenken über meine
Rettungsaktion namens "JERRY". Auf der Heimfahrt überlegte
ich mir schon - mir war übrigens recht mulmig in der Magengegend -,
wie ich die Sache mit dem zweiten Hund meinen Eltern am besten
beibringe.
Zu Hause angekommen, mußte JERRY gleich eine Ganzkörperreinigung
über sich ergehen lassen. Er stank fürchterlich und hatte Flöhe.
Martin und ich mußten ihn zweimal shampoonieren, um den Dreck und
Geruch einigermaßen zu entfernen. Eine Wurmkur hatte ich ihm schon
vorsorglich in Kreta verabreicht. Das Telefonat mit meiner Mutter
verlief nicht gerade erfreulich, mein Vater dagegen sah die Sache
mit meinem zweiten Hund nicht so eng und meinte, daß wir diesen
auch noch groß bekommen würden.
Die erste Nacht verlief problemlos. Zu meinem
Erstaunen mußte ich feststellen, daß JERRY absolut stubenrein war.
Da ich mir wegen ihm zusätzlich noch eine Woche
Urlaub genommen hatte, folgte am nächsten Morgen gleich der erste
Tierarztbesuch. Er wurde von meiner Tierärztin gründlichst
untersucht und bekam ein Anti-Flohmittel. Außerdem wurde eine Röntgenaufnahme
von seinem schiefen rechten Hinterbein angefertigt um zu sehen, ob
eine Operation eine Besserung bringen würde, denn er benutzte es so
gut wie nie und hummpelte stark beim Laufen. Meine Tierärztin überwies
JERRY in eine private Tierklinik zu einem Spezialisten, der fast täglich
solche Knochenoperationen durchführt.
Am 11. Oktober wurde er dann nach einigen
Untersuchungen zum ersten Mal operiert. Der schief
zusammengewachsene Knochen wurde erneut gebrochen und begradigt. Er
wurde dann mit einem Implantat (1 Platte + 6 Schrauben) fixiert. Da
JERRY noch recht jung war nahm man an, daß der Knochen in ca. 4
Monaten wieder zusammengewachsen sein müßte. Dem war aber nicht
so! Beim Entfernen des Implantates brach der Knochen erneut und der
Tierarzt bemerkte es leider nicht. Somit mußte der arme Hund 10
Tage lang mit einem gebrochenen Bein herumlaufen. Da er bei der
zweiten OP auch gleichzeitig kastriert wurde, schoben wir seine
Schmerzen und sein aggressives Verhalten auf diesen Eingriff, da er
sonst immer absolut lieb und geduldig war. Erst beim Fäden ziehen
merkte meine Tierärztin den Schlamassel. Also mußte er am nächsten
Tag wieder unter das Messer. Fünf Operationen mußte er insgesamt
über sich ergehen lassen (das Implantat wurde nacheinander
entfernt). Durch seine mangelnde und unzureichende Ernährung in der
Jugend haben seine Knochen eine schlechte Substanz und sind nicht
die stabilsten.
Besonders nervig und störend war für ihn der große
Halskragen aus Plastik, den er nach den OP's bis zum Fäden ziehen
fast ständig tragen mußte, weil er sich sonst den Verband
abgerissen hätte. Nach all diesen OP's kann er aber dafür jetzt
sein Hinterbein wieder einigermaßen benutzen.
Da mein kleiner "Schummel" in seinem früherem
Leben keinerlei Erziehung genossen hatte, war er dementsprechend
chaotisch und wild. Besonders am Anfang (immer zwischen den OP's) übte
ich mit ihm fast täglich "SITZ, PLATZ, FUSS etc.". Seine
Jagdleidenschaft und seine übermäßige Kläfferei im Auto konnte
ich ihm leider noch nicht abgewöhnen.
Da er, wie gesagt, gerne jagt, - Vögel, insbesondere
rabenartige Exemplare, sind seine Spezialität - (ein Wildkaninchen
geht bedauerlicherweise schon auf sein Konto), behalte ich ihn
lieber noch bei "kürzeren" Spaziergängen - rund um den Häuserblock
- an der Flexi-Leine. LUCKY
geht zwar ihrer Jagdleidenschaft auch gerne nach (sie hat den
Wellensittich meiner Eltern auf dem Gewissen), aber sie hat gelernt,
beim Verfolgen der "Beute", am Bürgersteig abzubremsen
und nicht über die Straße zu laufen. Vielleicht gelingt mir dieses
auch noch bei JERRY. Ansonsten kann ich mich über ihn (fast) nicht
mehr beklagen, er ist lieb, total verschmust und hat sich in
Windeseile, mit Hilfe seines "ausgesetzten Blickes", in
das Herz meiner Mutter "geschummelt".
Da er trotz seiner Operationen immer ein kleiner
Invalide bleiben wird, haben wir uns einer neu gegründeten
Selbsthilfegruppe für "Hunderehabilitation"
angeschlossen. Diese trifft sich immer sonntags auf dem Lichtenrader
Hundeplatz. Dort wird JERRY nach der Tellington TTouch-Methode
behandelt. Des weiteren werden dort bei Hunden noch andere
physiotherapeutische Behandlungen nach Krankheiten oder Verletzungen
durchgeführt. JERRY genießt seine Behandlung immer sehr und ich
bemühe mich momentan, diese Methode mit Hilfe der Selbsthilfegruppe
und des Buches von Linda Tellington zu erlernen.
Jetzt möchte ich noch kurz etwas allgemeines über
Hunde in Süd- und Osteuropa berichten. Ich finde es immer wieder
erstaunlich, daß diese Tiere, obwohl sie in ihrer Heimat vom
Menschen meist nur schlechtes zu erwarten haben, extrem gutmütig
und meistens äußerst zutraulich sind. Da sie häufig im Rudel
leben, haben sie ein sehr gutes Sozialverhalten und sind besonders
charakterfest. Über jeden auch noch so geringen Zuspruch und ein
paar Streicheleinheiten freuen sie sich riesig und weichen einem
danach nicht mehr von der Seite.
Natürlich ist es auf Dauer keine Lösung, Hunde
und Katzen nach Deutschland einzufliegen, aber z. Z. ist es wohl die
einzigste Möglichkeit, die Hunde in gute Hände zu vermitteln.
Viele Tierschutzorganisationen im Süden und Osten
leisten parallel dazu Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit in
der Hoffnung, daß diese Bemühungen in den kommenden Jahren Früchte
tragen werden und die einheimische Bevölkerung sich endlich auch
selbst um ihre Tiere kümmert und diese vor allen Dingen kastrieren
läßt, um weiteres Elend zu verhindern.
Zum Schluß nun noch ein paar Anmerkungen über meine
Erfahrung von der Haltung zweier Hunde. Das erste halbe bis
Dreivierteljahr mit zwei Hunden empfand ich als äußerst stressig
und schwierig. Des öfteren dachte ich im geheimen, "warum hast
Du Dir das bloß angetan". JERRY war trotz seiner Behinderung
ein "wilder Feger", der überhaupt nicht gehorchte und
mich damit manchmal zur Weißglut brachte. Im Grunde genommen konnte
er nichts dafür, denn er hatte ja nie gelernt, zu gehorchen. Da
LUCKY streitsüchtig und extrem eifersüchtig ist, lagen sich die
Beiden häufig in den Haaren. LUCKY versuchte und versucht auch
heute noch, der Chef im Mini-Rudel zu sein (sei es ihr gegönnt),
nur läßt sich JERRY jetzt nicht mehr alles von ihr gefallen. Ihre
Rangeleien um die Rangordnung verlaufen heute zum Glück harmlos. Am
Anfang mußte ich häufig dazwischen gehen, um Verletzungen
vorzubeugen. Sehr ärgerlich finde ich bei zwei Hunden allerdings,
daß sie die schlechten Angewohnheiten des anderen schnell übernehmen,
wie z. B. das Kläffen im Auto. Wie sagte Renate bei einem
Hundespaziergang so treffend, "die versauen sich
gegenseitig"!!! Von den ersten chaotischen Spaziergängen mit
den Beiden erst gar nicht zu reden - zum Glück läuft LUCKY
meistens ohne Leine. Zu zweit fühlt man sich eben besonders stark
und mutig und muß es den anderen Hunden zeigen.
"Frauchen" hat man im Ernstfall ja immer als
Verstärkung dabei.
Natürlich gibt es auch einige Vorteile bei der
Haltung von zwei Hunden. Sie können, wenn mal kein Hund in der Nähe
ist, auch untereinander spielen und man kann sie, ohne ein
schlechtes Gewissen zu haben, auch ab und zu für ein paar Stunden
alleine zu Hause lassen. Mir ist aufgefallen, daß LUCKY nicht mehr
gerne mit anderen Hunden spielt, seit JERRY da ist. Wenn er sich mit
anderen Hund vergnügt, mischt sie sich sofort ein und fängt an zu
stänkern. JERRY ist dagegen fast immer ein Gentleman und läßt
LUCKY gewähren.
Ich denke, jeder muß selbst für sich entscheiden,
ob er sich einen Zweithund anschafft. Allerdings sollte man vorher
auch bedenken, welche zusätzlichen Kosten auf einen dazukommen
(sehr hohe Hundesteuer - vor allem in Berlin -, doppelte
Hundehaftpflichtversicherung, ...). Wenn man nicht allzu viel
verdient, ist es nicht immer einfach, diese Summe aufzubringen.
Ich würde
mir wahrscheinlich in der Großstadt keinen Zweithund mehr
anschaffen, obwohl es mir bei den überfüllten Tierheimen schon
schwerfallen würde. Trotz der Schwierigkeiten, die ein zweiter Hund
so mit sich bringt, möchte ich natürlich meine beiden
Hundekameraden heute nicht mehr missen.
Elke Gertulla
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