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Von Herzen
geschrieben...
von Hr. Poritz
Ohne mich könnte meine Frau zur Not noch
leben. Ohne Hunde? Unmöglich!!!
Nur läuft die Lebensuhr eines Hundes
schneller als die des Menschen, und eines Tages (vor fünf Jahren)
gab uns Julius, der liebste und treuste Boxerrüde, den man sich
denken kann, zu verstehen, es sei nun wohl an der Zeit, Abschied zu
nehmen. Er legte sich auf seinen Platz mit dem Gesicht zur Wand,
stand nicht mehr auf und nahm nichts mehr an. Er hatte ein für
seine Rasse biblisches Alter erreicht, aber wir wollten nicht
wahrhaben, daß die Stunde gekommen ist. Wir lockten mit dem Schönsten
und Besten, vergeblich. Bis die junge Tierärztin, die unseren
altgewohnten Doktor und Nachbarn vertrat, und mehrmals am
Vortag wie auch an diesem letzten gekommen war, uns sehr feinfühlig
sagte: „Er will seine Ruhe, lassen wir sie ihm“.
Wir sehen es ja ein,
Mutter, Vater und Sohn, doch es war schwer, sehr schwer. Ich mußte
nach Köln. Der Koffer stand gepackt in der Diele. Der Zug fuhr ohne
mich. Ich nahm das Abendflugzeug, damit wir ihm gemeinsam Adieu
sagen konnten.
Als ich zwei Tage später
zurückkam und die Haustür aufschloß, wieselte mir nur unser
„Erbstück“ Zenzi, eine höchst eigenwillige Entlebucher Sennhündin
entgegen, die von einer plötzlich verstorbenen Freundin - gründlich
verzogen - zu uns gekommen war, weil wir noch am ehesten mit ihr
fertig wurden und nun mit geradezu fanatischer Liebe an unserer
Mutter hing, sie beschützte und todesmutig verteidigte gegen jeden
vermeintlichen Angreifer. Nein, mit ihr war nicht zu spaßen und
unsere gegenseitige Zuneigung hielt sich in Grenzen. Nur im
Augenblick fanden wir uns ganz nett, weil ja niemand anderes da war,
meine Frau im Geschäft, der Junge in der Uni.
Und während wir
noch so ein bißchen miteinander spielten, klingelte das Telefon:
unsere Mutter, meine liebe Frau.
Und es sprudelte nur
so aus ihr heraus: „ Da ist ein Hund, und ich sage Dir, sooooowas
Liebes, und der ist zu Leuten gebracht worden, die ihn aber nicht
behalten können, weil sie sich gerade einen alten Hund aus dem
Tierheim geholt haben, und der frißt nun nicht mehr und hat Angst,
sitzt nur noch unterm Bett, und die Frau ist völlig fertig und will
Beruhigungsmittel haben, weil sie nicht mehr ein noch aus weiß, und
der Mann auch, und so nette Leute, und so ein liebes Tier, und wir
haben doch alles von Julius!“
„Ja“, sagte ich in eine Atempause hinein,
„was ist es denn?“ – „Ein ganz junger Hund“. „Ja“,
sagte ich wieder, „was für ein Hund?“ und verstehe: „Ein
Sennenhund!!!“. Nun hatten wir ja einen Sennenhund, dieses etwas
kugelige, kläffende Wesen, mit dem ich manchmal ziemlich quer lag.
„Da muß man doch helfen!“ hörte ich. Was soll, was kann man
solcher tränenfeuchten Stimme anderes antworten als „Ja, da
helfen wir!“ – „Ich hole ihn! Gleich!!!“ verkündigte die
nun entschlußgestählte Stimme.
Ich rechnete mir aus, wann Sie ungefähr
kommen könnten, nahm schnell die Sachen aus dem Koffer, stellte ihn
in den Keller und öffnete das Gartentor. Da fuhr der Wagen auch
schon in die Auffahrt ein... Ich schloß das Tor, drehte mich um und
wollte irgendwas Witziges sagen, wie: „auf den Flügeln der
Liebe“ oder ähnlichen Quatsch und brachte doch nur ein krächzendes
„Oh Gott“ hervor...Meine Frau fuhr damals einen kleinen Opel,
und was sich aus dem Auto schob, schien kein Ende nehmen zu wollen.
Wie hat der überhaupt reingepasst? „Das ist ein Sennenhund?“
– „Ein Berner Sennenhund!“ verkündete unsere Mutter stolz.
Sie hatte ihn allein hergebracht. Sie hatte sich nicht helfen
lassen. Und da konnte sie stolz sein. Ehrlich!!!
Das Riesenvieh stand bibbernd neben ihr,
trotz des warmen Augusttages... Vor mir wich es ängstlich zurück
und wollte auch um keinen Preis ins Haus. Als die Dicke auf die
Konkurrenz zuging, floh er scheu in den Garten, sie begeistert
hinterher, und im Kriegezeck sausten beide von einem Ende zum
anderen, hin und her. Es dauerte aber noch fast den ganzen Tag, ehe
er mich in seine Nähe kommen ließ.
Am nächsten Tag kam eine Dame von der SOS
Hunde-Hilfe, inzwischen vom „Wohnungswechsel“ ihres Schützlings
unterrichtet, zu uns und bei der Unterzeichnung des Übereignungsvertrages
erfuhren wir Bennis leider nicht so seltene Vorgeschichte:
Berner Welpen, in der Schweiz sehr zutreffend
„Gelbbäckli“ genannt, sind wahre Plüschtiere. Nicht nur Kinder
und junge Leute verlieben sich in sie. Selbst mir als Mann von
einigem Alter fallen Begriffe wie „knuddelig“, „niedlich“
und „wonnig“ spontan ein. Doch das Wonnebällchen wächst
ziemlich schnell. Aus dem Spielzeug wird ein ernstzunehmender
Partner, manchmal ein Problem, und oft sinkt leider in umgekehrtem
Verhältnis die die Begeisterung auf den Nullpunkt. Man gibt ihn
weg!
So durchlief Benji (wie er damals genannt
wurde) in kurzer Folge 3 Stationen. Kein Wunder, daß er Menschen
nicht mehr traute. Er war gerade ein Jahr alt geworden. Jetzt ist er
sechs und ein selbstbewußter Hundemann, der an uns allen hängt,
aber (und darauf bilde ich mir etwas ein) an mir am meisten. Er
sieht auch so aus wie ich, schnarcht, frißt gern und bringt ein bißchen
zuviel auf die Waage – wie ich.
Just vor einem Jahr, in der
Vorweihnachtszeit, veränderte sich Zenzi, die Entlebucherin,
charakterlich wie körperlich. Sie fraß zwar noch mit der gewohnten
Gier, benahm sich aber nachgiebiger gegen alles männliche, schlief
länger und öfter als sonst und überließ das Wächteramt mehr und
mehr dem Jüngeren. Wenn Benni anschlug, stimmte sie immer später
ein. Was wir zuerst als angenehm empfanden, stimmte mit der Zeit
bedenklich. Sie war 13 Jahre. Im Alter wird der Mensch einsichtiger,
milder, gütiger... auch ein Hund? „Wir wollen es beobachten“
meinte der Tierarzt. Nun, sie hielt sich pflichtgetreu über den
Jahreswechsel, als wollte sie uns kein Fest verderben. Am 08. Januar
ging sie von uns.
Eine Woche blieb ihr Platz leer. Dann riefen
wir bei der SOS Hunde-Hilfe an, und die Damen wußten Rat. Eine etwa
zweijährige Labrador-Verschnitt-Hündin war von der Polizei aus der
Spree gefischt und zu ihnen gebracht worden. Warum ihr sogenanntes
Herrchen sie mitsamt einem Welpen ins Wasser geworfen hatte, war
nicht zu ergründen. Was auch gar nicht wichtig. Wir hatten Platz,
und sie sollte kommen.
Sie kam. Ganz ehrlich: begeistert war ich
nicht. Ein Straßenköter, wie es hunderte gibt. Schwarz mit weißem
Brustfleck, klapperdürr und giftig. Und das neben unserem
edelrassigen Berner.
Unsere Mutter sah das anders. Für sie zählte
nicht Schönheit und Adel, sie sah nur das heimatlose Tier. Pepper,
wie sie angeblich hieß, worauf sie aber nicht hörte, blieb also.
„Na schön“, sagte ich, „auf Pepper oder Pippa hört sie
nicht, für mich ist siesowieso ‚ ´ne Zillejöre, ´ne Riecke“.
Als hätte sie´s verstanden, setzte sich sich und sah uns
aufmerksam an. Nachmittags fraß sie schon mit, ich möchte sagen,
gewaltigem Appetit und abends ging sie wie selbstverständlich zu
meiner Frau auf´s Zimmer.
Heute müßten sie sie mal sehen! Ihr Fell glänzt
wie poliertes Ebenholz, stets schnieke und adrett, von der Nasen –
bis zur Schwanzspitze. Die Klimperrippen sind verschwunden, die
Freude an der Bewegung ist geblieben. In großen Kreisen zieht sie
um uns herum, wenn wir sie ab und zu frei laufen lassen, denn sie hört
auf Ruf oder Pfiff, wenn sich da nicht – und das geschieht vom Frühjahr
bis zum Herbst des öfteren – durch Regen oder künstliche Bewässerung
auf den Feldern eine einladende Pfütze gebildet hat, so ein richtig
schönes Modderloch : dann wühlt und gräbt sie und wälzt sich
entrückt und entzückt im Dreck und pfeift auf Rufen und Pfeifen.
Da hilft nur geduldiges Warten... und wenn sie dann völlig
verdreckt, aber seelig kommt, soll man da strafen? Da heißt es
Abstand halten, damit man beim Schütteln nicht zuviel abbekommt,
Zuhause das Tierchen mit dem Schlauch abspritzen, damit Dreck und
Entengrütze nicht im Gartenteich abgeladen werden, oder besser noch
im Sessel neben dem Bett unserer Mutter - den,
der nie benutzt werden durfte, damit er seinen Seidenglanz behält
-.
Den hat sie sich ganz nebenbei erobert und ruht dort, selber Glanz
verbreitend, mit zierlich geordneten Pfötchen, wie eine Prinzessin.
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Sehn´Se, dis is Riecke! |
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...
und das ist Benni |
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