SOS Hunde-Hilfe e.V.  SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.    SOS Hunde-Hilfe e.V.

                         

Lange Zeit schon bin ich der SOS Hunde-Hilfe e.V. als Problemhund bekannt und mußte schon mehrmals mein Zuhause wechseln, weil ich ein sehr dominanter Hund bin und niemand so richtig mit mir umgehen konnte. Als reinrassiger Welsh-Terrier hat man eben so seine eigenen Vorstellungen vom Umgang mit seinen Menschen und der Umwelt. Mein erster Besitzer verkaufte mich weiter, weil er sich eine kleine Airedale-Hündin zulegte, mit der er züchten wollte und ich damit im Weg war. Ich kam zu einer Familie mit zwei Kindern, die ich eigentlich auch sehr gern mochte, die aber mein grobes Spiel nicht vertrugen. Sogar eine Hundepsychologin probierte sich an mir aus. Es nützte alles nichts, und ich wurde weitergegeben an eine ältere Dame. Damals hieß ich noch Zeus, jetzt wurde ich Timmy gerufen.

Bei diesem Frauchen lebte ich eineinhalb Jahre. Wir beide verstanden uns gut, und sie hatte mich lieb. Manchmal besuchten wir einen Erziehungskurs für Hunde und ihre Besitzer. Leider starb sie viel zu früh, und ich kam am 20. Mai 1996 zu Familie Sibert, einer Pflegestelle der SOS Hunde-Hilfe. Hier wohnte auch eine knapp 11jährige Schäferhunddame, die schnell meine Freundin wurde. Meine neue Pflegefamilie nahm mich fast überall mit hin. In ihrem Garten durfte ich nach Herzenslust buddeln, toben und mein Revier verteidigen. In kürzester Zeit lernte ich auch die anderen Hunde, die schon über meine Pflegefamilie im Haus vermittelt wurden, kennen.

Mit der jungen Husky-Mix-Dame Lady kam ich nach kurzen Anfangsschwierigkeiten und kleinen Problemen gut klar. Wir teilten uns sogar bald alle Stöckchen, die wir unterwegs fanden. Mit dem anderen Rüden, der ebenfalls Timmy heißt, habe ich heute nur noch ab und zu mal Streß, nämlich dann, wenn er versucht, in meinen Bereich einzudringen.

Am 20. Juni 1996 erschien dann plötzlich ein älteres Ehepaar, das Interesse an mir hatte. Sie wollten sich eigentlich den anderen Timmy ansehen, der zu dieser Zeit auch in der Vermittlung war. Diese Leute fanden mich aber schöner, ruhiger und da ich auch schon etwas älter war, wollten sie mich haben.

Am nächsten Tag kam Herr Alm, holte mich ab und brachte mich nach Wedding in meine neue Heimat. Angeblich hatten diese Leute über 30 Jahre Hundeerfahrung (Stofftier-haltung?)! Einen großen Garten hatten diese Leute zwar auch, aber nicht, um dort tiefe Löcher zu graben oder mal eben das Bein zu heben, um mein neues Revier abzustecken. Auch war in der neuen Heimat keiner mehr, der mal außerhalb der üblichen Zeiten mit mir spielte, so wie der 16jährige Sohn der Familie Sibert. Da keiner sah, wie unglücklich ich eigentlich in der neuen Umgebung war, benahm ich mich so schlecht es nur ging. Ich stamme nun mal aus der Gruppe der Terrier, und diese Rasse ist dafür bekannt, daß jeder seinen eigenen Dickschädel hat. 

Am 27. Juni 1996 konnte ich innerlich „juchhu“ schreien. Ich hatte es geschafft! Nach nur einer guten Woche hatten diese Leute die Nase voll von mir. Ich sträubte mich mit aller Kraft gegen ihre Erziehungsversuche. Meine „Noch“-Besitzer setzten sich mit Siberts aus Spandau in Verbindung, und so wurde ich auf offener Straße ohne Tschüß und letzte Streicheleinheiten wieder an meine ehemalige Pflegefamilie übergeben, wie ein toter Gegenstand und nicht wie ein Lebewesen. Auf der Heimfahrt rollte ich mich kuschelig im Schoß zusammen und träumte davon, daß meine Reise jetzt ein Ende hat.

Mein Pflegefrauchen hatte ein Einsehen, unterschrieb am 16. Juli 1996 den Übereignungsvertrag. Ich bekam mein letztes Zuhause und meinen letzten Namen: "Raudi". Sie "schenkte" mich Pflegeherrchen als Überraschung zum Hochzeitstag. Schlau eingefädelt, nicht?! Den mag ich besonders gern, weil seine Strümpfe so gut riechen und ich sie durch die Wohnung schleppen darf. Wenn ich müde bin, darf ich auf seinem Bauch liegen. Er krault mich, und ich darf fast alles tun, was mir Spaß macht. Ich glaube sagen zu können, daß ich jetzt ein schönes Zuhause gefunden habe und hier alt werden möchte.

Im Tierheim und auch bei der SOS Hunde-Hilfe e.V. warten und hoffen viele darauf, es nur annähernd so zu treffen wie ich. Ich bin fast nie alleine und wenn doch, dann ist da ja noch die alte Schäferhunddame. Manchmal bellt sie mir ins Ohr, wenn ich mich mal nicht richtig benehme oder übermütig werde.

Inzwischen habe ich schon ganz viele Freundschaften im angrenzenden Park geschlossen. Erstmal zwar nur mit Hündinnen, aber immerhin sieben Stück an der Zahl. Eines Tages brachte eine von meinen „Bräuten“ so einen armen Mischlingsrüden namens Luiggi zu unserer abendlichen Toberunde mit. Er hatte es noch sehr viel schlechter bei seinem ehemaligen Besitzer gehabt als ich. Er bekam viel Schläge, wenig zu fressen und mußte an der Kette liegen. Da dieser Kumpel viel größer und auch zwei Jahre älter ist als ich und uns der Verein der SOS Hunde-Hilfe verbindet, vertrage ich mich einfach gut mit ihm, auch wenn er mir vielleicht später mal eine meiner Hundedamen wegnimmt. Jetzt spielt er noch recht wenig mit meinen "Frauen".

Sonntags fahre ich fast regelmäßig mit einem meiner Rudelführer auf die Rieselfelder in Gatow, wo für die bereits vermittelten Hunde eine Ausbildung in kleinerem Rahmen angeboten wird. Dort bekomme ich etwas Benehmen, Unterordnung und Gehorsam beigebracht. Wir lernen dort, daß wir uns nicht immer so geben können, wie wir gerade wollen. Auf diesem Platz sind noch viele andere Hunde, die etwas lernen wollen oder müssen, und somit macht es mir sogar Spaß. Ich habe sogar schon gelernt, daß man nicht gleich jeden anderen Hund immer beißen muß. Meine beste Freundin Lady lernt dort auch, daß man nicht jeden Fremden anbellt bzw. anspringt und daß man seine Besitzer nicht an dem Ende der Leine hinterherschleift.

Ich muß nun nur noch lernen, das Zwicken von fremden Menschen einzustellen. Etwas ist es mir auch schon geglückt, nur beim Postboten kann ich mich noch schwer zurückhalten. Auch Müllmänner schmecken mir noch besonders gut, wenn sie silberne Leuchtstreifen an den Hosenbeinen haben. Nachdem ich nun aber gut versichert bin, wird es für meine Besitzer nicht mehr ganz so teuer, wenn ich mal wieder Schäden angerichtet habe. Ich gebe mir ja Mühe, von meinen alten Macken abzukommen und meinen stolzen Besitzern wenig Kummer zu machen, aber es ist doch sehr, sehr schwer. Für das nächste Jahr habe ich mir vorgenommen, mein Unwollen durch reichlich lautes Knurren anzuzeigen. Meine Leute knurren dann zurück oder mit mir in den verschiedensten Tönen um die Wette, bis einer von uns dann aufgibt. Meistens endet es dann in Kuscheln und Schmusen, und ich bekomme Extra-Streicheleinheiten und keine Schläge.

Ein schlimmes Erlebnis hatte ich im letzten Winter. In meiner Übermut rannte ich auf das noch nicht ganz festgefrorene Eis der Havel und wollte dort einen verspäteten Entenbraten jagen. Ich brach ein und kam nicht mehr aus eigener Kraft aus dem eisigen Wasser heraus. Mein bester Freund und mein Herrchen riskierten sogar für mich ihr eigenes Leben, indem sie mit einem Rettungsring, auf dem Bauch liegend, mich an nur einer Pfote und so gerade mal wieder aus den Eisloch auftauchend, rauszogen. Die ganze Aktion dauerte ca. fünf Minuten. Selbstlos verzichteten sie auf ihre Winterjacken, wickelten mich darin ein und rannten mit mir frierend und selbst zitternd bei fast minus 20 Grad nach Hause. Wenn das kein Liebesbeweis ist !!!

Am 12. Januar 1997 habe ich mich dann bei einer Hundeausstellung so gut gezeigt, daß ich einen Goldpokal als Bester meiner Rasse gewonnen habe. Wenn es mit dem richtigen Benehmen nicht immer gleich klappt, dann mache ich es eben so, daß alle, die mich lieben wenigstens auf mein Aussehen stolz sein können.

Ein Münsterländer, der schon im Oktober 1990 von der SOS Hunde-Hilfe vermittelt wurde, bedankt sich ebenfalls bei den Menschen, die für die Hunde-Hilfe ehrenamtlich arbeiten. Er ist der Meinung, er sei der beste Beweis, daß nicht alle von uns so viele „schlechte Seiten“ an den Tag legen, wie ich es von mir beschrieben habe. Er hat mir erzählt, daß er es in gut sechs Jahren geschafft hat, „sich seine Leute zu erziehen, ohne sich erziehen zu lassen“. Trotzdem sind diese Besitzer mit ihm sehr glücklich und geben ihn um keinen Preis mehr her.

Auch meine Freundin Lady möchte für immer bei dem jungen Pärchen, bei dem sie jetzt ist, bleiben, denn da lacht man über sie, auch wenn sie nicht immer so ganz richtig hört und lieb ist. Ein klein wenig ist man manchmal über „Madame“ böse, wenn sie sich mal wieder den Teppich oder die besten Schuhe als Spielzeug ausgesucht hat, aber na ja, was soll´s?!

Timmy, mein ehemaliger Namensvetter - und nun nur noch zeitweiliger Rivale - hat es auch sehr gut getroffen. Er darf sehr viel Auto fahren, hat genug Auslauf, und dort schimpft keiner mit ihm, wenn er mal etwas kaputt gemacht hat. Jeder findet ihn niedlich, weil die genaue Rasse bzw. Mischung nicht erkennbar ist.

Diesen Bericht schrieb mein junges Herrchen Dominik in meinem Namen und Auftrag und dem vieler anderer Hunde, die irgendwann mal ausgesetzt oder von schlechten Menschen verstoßen wurden.

Alle vorab erwähnten Tiere, egal ob Rasse oder Mix, haben kleine Fehler oder Macken, die entweder rassebedingt sind oder durch erlittene Leidenswege erworben wurden. Dieser Bericht beweist aber, daß es Menschen gibt, die eben diese Mängel an uns trotzdem akzeptieren und damit leben können.

Gerade solche Menschen müßten viel mehr in Sachen Tierschutz tun, um das Elend, das uns immer wieder umgibt, zu lindern.

Dies wünschen sich der Rabauke RAUDI, ehemals Timmy,

mit adligerem Namen Zeus von der Passion,

und seine bereits o.g. Artgenossen